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Snus bei Schwangerschaft?

Auf einen Blick

  • Snus und andere Nikotinprodukte sollten während der Schwangerschaft möglichst vermieden werden.
  • Snus ist nicht mit Zigaretten gleichzusetzen, da beim Rauchen zusätzlich zahlreiche schädliche Verbrennungsprodukte entstehen.
  • Studien bringen Snuskonsum mit bestimmten Schwangerschafts- und Geburtsrisiken in Verbindung, wobei die Ergebnisse je nach untersuchtem Aspekt unterschiedlich ausfallen.
  • Nikotinkaugummi und Nikotinpflaster können nach fachlicher Abklärung eine Alternative sein, wenn eine Schwangere andernfalls weiterrauchen würde.

Geht Snus in der Schwangerschaft?

Die kurze Antwort lautet: Snus wird während der Schwangerschaft nicht empfohlen. Studien zu schwedischem Snus zeigen Zusammenhänge mit verschiedenen ungünstigen Schwangerschafts- und Geburtsergebnissen. Eine systematische Übersichtsarbeit über 18 Kohortenstudien fand unter anderem Hinweise auf erhöhte Risiken für Frühgeburt, Totgeburt und Atemaussetzer bei Neugeborenen.³

Die Ergebnisse sind allerdings je nach untersuchtem Gesundheitsaspekt nicht eindeutig. Eine schwedische Geschwisteranalyse fand beispielsweise beim Geburtsgewicht nur einen geringen, statistisch nicht signifikanten Unterschied zwischen Snus-Nutzerinnen und Nichtnutzerinnen.⁴

Das bedeutet jedoch nicht, dass Snus in der Schwangerschaft als sicher gilt. Auch Nikotin selbst ist nicht risikofrei. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Nikotin die Plazentaschranke passiert und nennt Schwangere ausdrücklich als Risikogruppe bei Nikotinbeuteln.² 

Nikotin in der Schwangerschaft

Bei Nikotin in der Schwangerschaft ist es wichtig, zwischen Nikotin und den zusätzlichen Schadstoffen des Rauchens zu unterscheiden. Zigarettenrauch enthält tausende Chemikalien. Der britische National Health Service (NHS) nennt unter anderem Kohlenmonoxid als Gefahr für die Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes.¹

Nikotin ist deshalb aber nicht unbedenklich. Es erreicht den Fötus und wirkt auf das Gehirn und Herz-Kreislauf-System. Die sicherste Option bleibt daher, während der Schwangerschaft möglichst vollständig auf Nikotin zu verzichten.²

Eine andere Nutzen-Risiko-Abwägung kann gelten, wenn die Alternative weiteres Rauchen ist. Nikotinersatzpräparate enthalten zwar Nikotin, vermeiden aber die zahlreichen Verbrennungsprodukte des Tabakrauchs. Der NHS empfiehlt Nikotinersatz deshalb als mögliche Unterstützung, wenn ein Rauchstopp ohne diese Hilfe nicht gelingt.¹

Snus Schwangerschaft: Welche Risiken gibt es?

Die bisherige Forschung zu Snus und Schwangerschaft bezieht sich überwiegend auf schwedischen, tabakhaltigen Snus. Eine systematische Übersichtsarbeit fand je nach untersuchtem Gesundheitsaspekt unterschiedlich starke Hinweise auf Risiken. Am deutlichsten war die Evidenz für Atemaussetzer bei Neugeborenen; mögliche Zusammenhänge wurden auch bei Totgeburt, Frühgeburt, niedrigem Geburtsgewicht und weiteren Geburtsergebnissen beobachtet.³

Beim Geburtsgewicht fällt das Bild differenzierter aus. Juárez und Merlo untersuchten mehr als 600'000 schwedische Geburten. In ihrer Geschwisteranalyse betrug der Unterschied bei fortgesetztem Snuskonsum nur 20 Gramm und war statistisch nicht signifikant. Die Autor:innen sahen darin einen Hinweis darauf, dass die deutlich stärkere Verringerung des Geburtsgewichts durch Rauchen wahrscheinlich nicht hauptsächlich auf Nikotin zurückzuführen ist.⁴

Eine weitere Mutter-Kind-Kohortenstudie fand ebenfalls keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Snus-Exposition und Geburtsgrösse. Viele Teilnehmerinnen hatten allerdings früh in der Schwangerschaft mit Snus aufgehört, sodass sich daraus keine Aussage über einen fortgesetzten Konsum während der gesamten Schwangerschaft ableiten lässt.⁵

Die Studien zeigen damit, warum Snus nicht einfach mit Rauchen gleichgesetzt werden sollte. Sie liefern aber auch keine Grundlage dafür, Snus während der Schwangerschaft als sichere Alternative zu empfehlen.

Nikotinkaugummi Schwangerschaft

Nikotinkaugummi in der Schwangerschaft kann im Rahmen einer Nikotinersatztherapie beim Rauchstopp eingesetzt werden. Dabei wird weiterhin Nikotin aufgenommen, jedoch ohne die Verbrennungsprodukte von Zigaretten.¹

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit zur Nikotinersatztherapie in der Schwangerschaft kommt zu dem Ergebnis, dass die vorhandene Evidenz zur Sicherheit noch begrenzt ist. Gleichzeitig fanden die ausgewerteten Humanstudien keine eindeutigen Hinweise auf ein erhöhtes Risiko schwerwiegender Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen durch Nikotinersatz. Die Autor empfehlen dennoch eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.⁶

Für Schwangere, die nicht rauchen, sondern Snus oder Nikotinbeutel konsumieren, folgt daraus keine allgemeine Empfehlung, auf Nikotinkaugummi umzusteigen.

Nikotinpflaster Schwangerschaft

Für Nikotinpflaster in der Schwangerschaft gilt eine ähnliche Abwägung. Pflaster führen weiterhin Nikotin zu und sind daher nicht risikofrei, vermeiden jedoch die Schadstoffe aus der Verbrennung von Tabak.¹, ²

Neuere Daten stammen unter anderem aus einer Sekundäranalyse der randomisierten PREP-Studie zu Rauchstopp-Hilfen während der Schwangerschaft. Die Untersuchung fand keine Hinweise darauf, dass die Verwendung der untersuchten Nikotinpflaster mit ungünstigeren Schwangerschaftsergebnissen verbunden war.⁷ Es ist jedoch empfohlen, den Gebrauch mit dem Arzt oder der Ärztin abzusprechen.

Was tun, wenn man in der Schwangerschaft noch Snus genutzt hat?

Wenn du Snus konsumiert hast, bevor du von deiner Schwangerschaft wusstest, solltest du nicht in Panik geraten. Studien beschreiben statistische Risiken für größere Gruppen und können nicht vorhersagen, wie sich eine frühe Snus-Exposition auf eine einzelne Schwangerschaft auswirkt.

In der norwegisch-schwedischen Kohortenstudie war eine frühe Snus-Exposition nicht mit einer geringeren Geburtsgrösse verbunden; viele der Frauen hatten nach Bekanntwerden der Schwangerschaft aufgehört.⁵

Sinnvoll ist deshalb vor allem, jetzt möglichst auf Snus und andere Nikotinprodukte zu verzichten und den bisherigen Konsum bei der nächsten Kontrolle mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme zu besprechen. Wenn dir das Aufhören schwerfällt, solltest du dir professionelle Unterstützung holen.

Fazit: Die sicherste Entscheidung bei Snus in der Schwangerschaft

Snus ist nicht mit dem Rauchen von Zigaretten gleichzusetzen: Beim Rauchen entstehen zusätzlich zum Nikotin zahlreiche Verbrennungsprodukte, die für einen grossen Teil der gesundheitlichen Risiken verantwortlich sind.¹ ⁴ Gleichzeitig ist auch Nikotin ohne Rauch nicht risikofrei, und Studien zu Snus beschreiben Zusammenhänge mit verschiedenen ungünstigen Schwangerschaftsergebnissen.², ³
Die sicherste Entscheidung bleibt deshalb, während der Schwangerschaft möglichst vollständig auf Snus und Nikotin zu verzichten.